Frankfurt am Main.
Michael Menzel (iPUBLISH – GANSKE INTERACTIVE PUBLISHING GmbH, München) wurde auf der jüngsten Hauptversammlung des Verbandes der kartografischen Verlage in Deutschland e.V. in Oldenburg zum neuen Vorsitzenden gewählt.
Er löst Franz Pietruska (Pietruska Verlag, Rülzheim) ab, der dem Kartografenverband acht Jahre vorstand. Als stellvertretende Vorsitzende der Unternehmensorganisation wurde Dagmar Ludewig (Busche Verlagsgesellschaft mbH Dortmund) von der Versammlung bestätigt. Neu in den Vorstand wurde Bernhard Spachmüller (Spachmüller Ingenieurbüro für Kartografie, Schwabach) gewählt. Auf der Jahrestagung des 23 Mitglieder zählenden Verbandes wurde vor allem die ungebremste verlegerische Tätigkeit staatlicher Behörden und Institutionen deutlich kritisiert. Die Verleger diskutierten zudem, wie sie im Kontext einer internationalen Allianz schneller und pragmatischer auf staatliche Informationen Geo-Informationen zugreifen können.



Die Stimmungslage der kartografischen Verleger ist einigermaßen angespannt: So werden ihre Produkte immer nachhaltiger durch vergleichbare Karten, die von staatlichen Stellen hergestellt und zu unkalkulierten Niedrigst-Preisen angeboten werden, bedroht. „Dies ist eine unhaltbare Situation, besonders auf dem Markt der Freizeitkarten“, betonte der neue Vorsitzende, Menzel. Er forderte die amtliche Kartografie auf, ihre Produktion von Touristik-Karten einzustellen, zumal dieses nicht Aufgabe der Landesvermessungsverwaltungen sei; durch deren Dumping-Preise würden ganze Geschäftsfelder für die Privatkartografie bedroht und sogar vernichtet.
Die Versammlung beauftragte den neuen Vorstand, ein Handlungskonzept für den Verband zu entwickeln, mit dem dieser gegen die Aktivitäten der staatlichen Kartografie vorgehen kann.

Problematisch ist für die Karten-Produzenten auch, dass gesetzliche Grundlagen wie das Informationsweitergabegesetz oder das Informationsfreiheitsgesetz, die die Chancengleichheit zwischen den Staatsverlagen und den privaten Verlagen garantieren soll, durch Landesgesetze faktisch außer Kraft gesetzt werden. „Es ist unser Recht einen fairen, innovativen, dynamischen und konkurrenzfähigen Markt unter Weiterverwendung von öffentlichen Informationen zu haben. Zur Durchsetzung werden wir dazu mit europäischen Partner wie der PSI (Public Sector Initiative) Alliance aus Brüssel zukünftig stärker politisch auf den entsprechenden Ebenen Einfluss nehmen“, so Menzel weiter.

Noch offen ist die grundsätzlich Auseinandersetzung um die Frage, ob amtliche topographische Karten (TK) im rechtlichen Sinne Datenbanken darstellen oder nicht. Während der Verband diese Interpretation grundsätzlich ablehnt und seine Position durch Gutachten renommierter Experten gestützt sieht, besteht die amtliche Kartographie auf einem entsprechenden Datenbankschutz für TKs. Sollte sich die Auffassung der Landesvermessungsverwaltungen vor Gericht durchsetzen, dann kämen auf die Verlage erhebliche Lizenzzahlungen zu. „Wir brauchen eine baldige Entscheidung des Bundesgerichtshofes“, erklärte Menzel, „denn diese Rechtsunsicherheit muss dringend beseitigt werden“.